Der perfekte Weg…

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Wie Ihr an meiner Einleitung erkennen könnt, sind viele der Anforderungen, die mir in meinen Gesprächen begegnen, gekoppelt an andere Menschen, z.B. den Partner, die Eltern, Freunde und Kollegen. Es passiert schnell, dass wir die Erwartungen anderer mit unseren eigenen Bedürfnissen verwechseln. Wenn wir etwas aus und mit Liebe tun, gibt uns das Kraft. Wenn wir etwas aus einer Verpflichtung heraus machen, verbraucht das Kraft.

Doch nicht nur durch das Koppeln der eigenen Wesensdefinition an andere Personen kann es dazu kommen, dass wir unseren eigenen Weg verlieren. Auch eine zu kopflastige Suche nach dem einen Weg führt uns in die Irre.

 

Der eine perfekte Weg, um…

… in der Karriere voran zu kommen, die Kinder zu erziehen, sich zu ernähren und fit zu bleiben, den Haushalt zu schmeißen, die Umwelt zu schützen, sich modisch zu kleiden, überzeugend aufzutreten, entspannt zu sein. Nicht selten versuchen Frauen, alle genannten Wege auf einmal zu gehen. Allein die Menge an selbstauferlegten Anforderungen scheint dabei überwältigend. Doch nicht nur die Zahl der Anforderungen und Aufgaben spielt eine Rolle, sondern auch der Wert, den wir ihnen in Bezug auf uns selbst zuschreiben. Je mehr Wert, desto mehr Gewicht, desto mehr Auswirkung auf unser Wohlbefinden – insbesondere, wenn wir etwas nicht zufriedenstellend hinbekommen.

Der Optimierungswahn und der Wunsch zu Entsprechen führt dazu, dass wir uns mit Themen auseinandersetzen, zu denen so vielfältige und auch kontroverse Informationen existieren, dass es nicht möglich ist, zu erkennen, was richtig und was nicht richtig ist bzw. was der eine, beste aller verfügbaren Wege ist.

Auf der Suche nach allen Details eines perfekten Weges, treten wir auf der Stelle und kommen nicht voran. Wir verlernen, Dinge einfach einmal zu probieren und zu spüren, ob sie uns guttun. Und wenn wir doch ins Probieren kommen, passiert es schnell, dass wir nach ein paar Testläufen klein beigeben. Denn wir sind es nicht mehr gewöhnt, lange auf erste Erfolge zu warten. Und dann fangen wir von vorne an…mit dem nächsten Buch über gesunde Ernährung, optimale Erziehung, karriereboostenden Mindsets, usw. Weil das ist dank Online-Anbietern schnell gesucht, bestellt und geliefert. Oder wir durchforsten das Internet – noch schneller, noch mehr – nur um schlussendlich festzustellen, dass es den einen perfekten Weg nicht gibt.

Wir vergessen, die eigenen Bedürfnisse zu beachten und zu erspüren, was wirklich zu uns passt und stimmig ist, was uns Freude bereitet und erfüllt, was es heißt, Geduld zu haben – vor allem mit uns selbst. Wer Lust hat, kann gerne in ein paar Artikeln stöbern, die ein paar dieser Themen streifen, z.B.:

 

Wenn Ihr erkennt, dass manche Eurer Gewohnheiten nicht mehr stimmig sind und Ihr mit diesen lediglich Anforderungen erfüllen, die Euch nicht entsprechen, ist es Zeit, alte Gewohnheiten zu beenden und neue zu erarbeiten.

 

Vom „Erarbeiten“ zum „spielerischen Ausprobieren“

Ich denke, die meisten von Euch stimmen mir zu, dass spielerisches Ausprobieren wesentlich verlockender klingt als Erarbeiten, oder? Hier setzt die Methode des spielerischen Ausprobieren mittels kleiner Selbstexperimente an. Sie hilft, dem inneren Schweinehund, der bekanntlich keine Veränderungen mag, ein Schnippchen zu schlagen und ihn beim Spieltrieb zu packen. Als ersten Schritt empfehle ich, eine Minute am Tag dafür zu nutzen, etwas Neues auszuprobieren, z.B. einer fremden Person ein Kompliment auszusprechen. Dadurch lernt Ihr spielerisch, gewohntes Terrain zu verlassen. Oder es darf ein bisschen mehr sein? Ihr wollt Euch z.B. gesundheitsförderliche Gewohnheiten zulegen? Probiert aus, wie sich eine mögliche neue Gewohnheit anfühlt, indem Ihr für eine gewisse Zeitspanne erwünschtes Verhalten spielerisch testet. “Wie fühle ich mich, wenn ich …eine Woche lang eine halbe Stunde früher aufstehe und zweimal um den Block laufe…/…jeden Tag ein Glas warmes Wasser nach dem Aufstehen trinke…/…jeden Abend vor dem Zubettgehen 20 tiefe Atemzüge mache…/…einen Zyklus lang auf Koffein verzichte…/…nur noch wochenends ein Glas Rotwein trinke…“. Wenn Ihr Verhaltensweisen, die Euch gut tun, zur Gewohnheit werden lassen wollt, geht zur spielerischen „30 Tage Testlauf“-Variante über. Mehr zum Thema Veränderung und Gewohnheiten gibt`s kommende Woche.

 

 

Unvollkommenheit zum Vorbild

Zwei Artikel (Part 1, Part 2) habe ich diesem Thema bereits gewidmet. Heute schließe ich dieses Thema mit ein paar Gedanken, die um Vorbilder und Anforderungen kreisen.

In meinen Unterhaltungen sehe, höre und spüre ich immer wieder, wie sehr einige meiner Gesprächspartner*innen unter dem Druck leiden, den überwältigenden Anforderungen oder perfekten Maßstäben zu entsprechen. Deshalb werde ich nicht müde, zu betonen, dass die Auseinandersetzung mit den eigenen Bedürfnissen ausschlaggeben ist, um das eigene Sein und Handeln in Einklang mit dem zu bringen, was uns wirklich erfüllt. Außerdem schlage ich vor, mindestens ein Vorbild zu haben oder zu finden, das gerade wegen vermeintlicher Unvollkommenheit, kleinen und größeren Macken oder unterhaltsamer Marotten besonders liebenswert ist. 

Und noch ein Gedanke zum Schluss: wenn Ihr mit Personen sprecht, die Ihre Lebensgeschichte erzählen, findet Ihr dann eher die Erzählungen faszinierend, die zu dem Schluss kommen „Ich war immer nett und lieb und brav, deshalb habe ich vieles von dem erreicht, was ich mir vorgenommen habe.“, oder ist ein Fazit a la „Ich war vermutlich nicht immer ganz perfekt und manchmal kurzzeitig völlig neben der Spur, aber ich sage Euch, ich habe es genossen.“ eher nach Eurem Geschmack?

Ich wünsche Euch einen wunderbar-unvollkommenen Wochenausklang mit viel Lachen über vermeintliche Unzulänglichkeiten 🙂

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

Photo by Jon Flobrant on Unsplash

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