Erfüllen statt Befüllen

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Bedürfnisse schaffen Lücken. Das ist zwar vereinfacht ausgedrückt, aber wahr. Je besser unser Gespür dafür ist, was wir gerade brauchen und was uns gut tut, desto eher können wir diese Lücken füllen und verhindern, dass sie immer größer werden. Es geht also darum, die eigenen Bedürfnisse zu erkennen und herauszufinden, wie wir diese erfüllen können.

Erfüllung ist dabei – in der Definition, wie ich sie heute verwende – nicht allein das Gestilltsein von sog. Grundbedürfnissen bzw. Defizitmotiven, sondern darüber Hinaus noch ein Gefühl des innerlichen Erfülltseins, oftmals gepaart mit dem Empfinden von Freude, Freiheit, innerer Wärme, Glück, Zufriedenheit und Inspiration. Drei zusammenspielende Fragen lauten hier:

  1. Was brauche ich wirklich?
  2. Was will ich?
  3. Was erfüllt mich?

Ganz klar: die Antworten dafür schütteln wir weder einfach aus dem Ärmel, noch gelten sie für immer. Heute geht es insbesondere um die dritte Frage. Wenn Ihr also etwas Zeit investieren möchtet, um mit Lust, Muse, etwas Geduld und Offenheit ein paar persönliche Antworten auf diese zu finden, dann gibt’s heute zwei kleine Reflexionsanleitungen, die Euch dabei unterstützen können.

 

Variante 1: Bedtime-Stories

Nehmt am Ende des Tages etwas Zeit, am besten mit einem Notizblock und Stift ausgestattet, und schreibt eine Minute lang alles auf, was Euch in den Sinn kommt, wenn Ihr Euch folgende Frage stellt: „Hat mich der heutige Tag erfüllt?“. Egal welche Bilder, Aktivitäten, Eindrücke auftauchen, sie haben Ihren Platz, egal ob sie positiv als auch negativ sind. Lest Euch danach die Notizen durch und kategorisiert nach nicht-erfüllenden, neutralen und erfüllenden Elementen. Am besten macht Ihr diese Übung an mehreren Abenden.

Reflektiert danach anhand Eurer Notizen Folgendes:

  • Welche Bilder, Aktivitäten und Eindrücke tauchen (immer wieder) in der Kategorie „nicht-erfüllend“ auf? Welchen Anteil habe ich daran, dass dies geschieht? Was veranlasst mich, es zu machen? Was würde passieren, wenn ich das nicht mehr tue?
  • Was taucht immer wieder in der Kategorie „erfüllend“ auf? Was ist mein Beitrag dazu? Wie kann ich das fördern?
  • Gibt es Zusammenhänge zwischen den Aktivitäten, die mich erfüllen? Bin ich dabei immer an der frischen Luft? Oder mit anderen Menschen zusammen? Bin ich in an einem ruhigen Arbeitsplatz? Läuft eine bestimmte Musik? Bewege ich mich? Erfüllt ein bestimmter Duft den Raum? Flackert Kerzenlicht? Genieße ich gerade ein Stück dunkle Sauerkirsch-Chili-Pralinen?
  • Sind die neutralen Elemente so gestaltbar, dass sie vielleicht doch in die Kategorie „erfüllend“ rutschen könnten? Wenn Ihr z.B. feststellt, dass das Gestalten einer Meeting-Agenda ein neutrales Element für Euch darstellt und viele erfüllende Punkte mit Bewegung verbunden sind, warum dann nicht Agenda-Punkte im Gehen diktieren? Ich schreibe mir beispielsweise mit meinem Handy selber Mails mittels Sprachansage oder verwende ein Diktiergerät, damit das Festhalten von Ideen für Konzepte und Texte in meinen bewegten Tagesablauf passen.
  • Wenn ich meine Bedürfnisse zu erspüren versuche, was würde mich erfüllen, taucht aber selten bis nie in meiner Tagesrückschau auf? Wieso nicht? Wie kann ich das ändern?

 

Manche Dinge muss ich nun einmal machen…

Wem von Euch ist dieser Gedanke beim Durchlesen der Anleitung auch gekommen? Falls Ihr meinen Blog schon längere Zeit verfolgt, ist Euch vielleicht aufgefallen, dass ich kein Fan des Wortes „MUSS“ – insbesondere in Kombination mit dem Begriff „SOFORT“ – bin.

„SOFORT“ löst meist Druck aus und kann uns dadurch stressen. In Wahrheit gibt es ganz wenige Dinge, die sofort zu erledigen sind. Genauso verhält es sich mit dem „MUSS“. Egal worum es geht, schlussendlich entscheiden wir selbst. „Ich muss noch schnell diese eine E-Mail beantworten.“, „Ich muss die ganzen Überstunden machen, sonst komme ich hinten und vorne mit der Arbeit nicht mehr nach.“, bis hin zu „Ich muss meinen schwerkranken Vater pflegen.“ Sobald ein einziger Mensch auf dieser Welt in einer vergleichbaren Situation eine andere Entscheidung getroffen hat, ist es kein „MUSS“. Manchmal ist es vorteilhaft, Dinge sofort zu erledigen. Dann ist es klug, wenn wir uns dafür entscheiden, es auch tatsächlich gleich zu tun. Und manchmal gibt es Umstände, die wenig Handlungsspielraum lassen. Aber egal worum es ich handelt: es ist selten bis nie ein Muss.

Wenn wir begreifen und verinnerlichen, dass selten ein „MUSS“, sondern vielmehr wir selbst – mit unseren Glaubenssätzen, Wertvorstellungen und Prägungen – Entscheidungen treffen, dann haben wir die Möglichkeit, die Dinge besser anzunehmen oder zu ändern.

 

Variante 2: Momentaufnahmen

Stellt Euch nicht nur am Ende des Tages, sondern während der Aktivitäten und Erlebnisse immer wieder die Frage: „Erfüllt mich das, was ich gerade mache?“ So schafft Ihr es besonders gut, Zeiträuber aufzudecken, die weder sinnvoll noch erfüllend sind. Eine liebe Bekannte von mir praktiziert dies intuitiv, wenn es um die Nutzung sozialer Medien geht. Ihr Frage an sich selbst lautet dabei: „Gibt es Dinge, die ich offline gerade sinnvoller machen könnte oder möchte?“

 

Wie immer stellen solche Übungsanleitungen einen Einstieg dar. Manche Aha-Erlebnisse kommen allein durch das Reflektieren. Wollt Ihr das Thema allerdings etwas griffiger bearbeiten, ist es sinnvoll, die so entstehenden Listen und mögliche Erkenntnisse mit einer bzw. einem objektiveren Professionist*in zu besprechen. So können blinde Flecken aufgedeckt und kreative Lösungsräume gestaltet werden, auf die Ihr von alleine vielleicht nicht gekommen wärt.

 

So, und jetzt muss ich aber wirklich sofort zu einem Ende kommen (got it? ;-)) – das Christkind wartet schließlich auf uns!

 

Ich wünsche Euch von Herzen wunderschöne, besinnliche und erfüllende Momente für die kommenden Weihnachtsfeiertage.

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

 

Photo by Calista Tee on Unsplash

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