Ich und wir – damals und heute

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Wie heißt es so schön? – Veränderung ist die einzige Konstante im Leben. Bewusstes Augenmerk legen wir auf Veränderung und Entwicklung meist zu bestimmten Ereignissen und Anlässen wie Geburts- und Jahrestagen, Jahreswechsel, Jubiläumsfeiern oder Klassen- und Jahrgangstreffen.

 

  • Wer war ich damals und wer bin ich heute?
  • Welches Bild hatte ich von meinem künftigen Ich und was habe ich mir für meine Zukunft – sei es in einem, fünf oder zwanzig Jahren – gewünscht?
  • Was davon habe ich realisiert und was ist ganz anders gekommen?
  • Welche Wünsche und Ideen kann ich heute noch nachvollziehen, welche verfolge ich noch und welche sind vom heutigen Standpunkt aus liebevoll abstrus?
  • Welche Beziehungen habe ich geführt und wie haben sich diese verändert?
  • Was hat mich damals als Freundin, Frau, Partnerin, (Schul-, Studien-, Arbeits-)Kollegin ausgemacht?
  • Welches Bild hatten andere (vermeintlich) von mir und was davon bin ich heute noch, was nicht mehr?

 

Das sind nur einige wenige Fragen, die wir uns beim Reflektieren von Veränderungen und Entwicklungen unserer Person und unserer Beziehungen anlässlich der oben genannten Anlässe stellen. Meist legen wir bei der Beantwortung dieser Fragen den Fokus auf die Diskrepanzen – also das Nicht-Erreichte, Nicht-Eingetroffene und Nicht-(mehr-)Erfüllende. Dies geschieht automatisch, weil Negatives, ohne dass wir das bewusst steuern, mehr ins Gewicht fällt als Positives. Dennoch macht es Sinn, den Fokus zu verschieben und anderen Zwischentönen Vorrang zu geben. Dabei hilft es, die den Wünschen und Zukunftsvorstellungen der Vergangenheit zugrundeliegenden Bedürfnisse in der Nachschau zu hinterfragen und herauszuarbeiten. Die starre Fixierung auf eine einmal als stimmig erachtete Gestaltungs- oder Lösungsmöglichkeit löst sich dadurch auf und eröffnet einen Möglichkeitsraum, der wieder mehr Spielraum für andere Arten der Bedürfniserfüllung bietet. Manchmal stellt man dabei sogar fest, das zugrundeliegende Bedürfnisse auf andere Art und Weise bereits erfüllt werden und Unstimmigkeiten lediglich darauf beruhen, dass übergeordnete, vormals unreflektierte oder als stimmig erachtete Vortsellungen von und Lösungen zur Bedürfniserfüllung nicht realisiert wurden.

 

Exkurs: Gepäck aussortieren

Kennt ihr das Empfinden, als ob Euch irgendetwas zurückhält und Euch daran hindert, aktuelle Geschehnisse unbeschwert zu erleben und leichten Schrittes vorwärtszukommen? Meist liegt das an dem Gepäck, das wir mit uns tragen – also Begebenheiten aus der Vergangenheit, die nicht so in unsere Gegenwart integriert sind, wie es für uns stimmig ist. Nicht immer kann man die Herkunft dieser bremsenden Kraft klar ausmachen. Systemische Aufstellungen, hypnotherapeutische Arbeit und andere psychologische Interventionen helfen, Ursachen auf den Grund zu gehen und das Vergangenheitsgepäck zu durchsuchen und auszusortieren, um wieder mehr Klarheit und Leichtigkeit in den Alltag zu bringen.

 

 

Beziehungen: ewig währende Freundschaften und immer-rosige Partnerschaften

Klingt wunderbar, oder? Wir lernen jemanden kennen, die Beziehung intensiviert sich und wird inniger und enger. Wir öffnen Herz, Bauch und Kopf in Gegenwart der anderen Person und wünschen uns, dass diese Verbindung genauso für immer bestehen bleibt. Doch auch Beziehungen, seien es nun Freundschaften, Partnerschaften oder Kollegenschaften, verändern sich laufend. Schließlich bestehen sie aus zumindest zwei Individuen, die sich ständig weiterentwickeln. Soziale Beziehungen erfüllen in ihren rosigen Zeiten unsere Bedürfnisse nach Austausch, Nähe, Geborgenheit, Sein-Können, Liebe, Wahrhaftigkeit und Verbundenheit. Durch die Innigkeit mit dem jeweiligen Gegenüber entsteht der Eindruck, dass nur die Freundschaft oder Beziehung zu genau dieser Person diese Bedürfnisse erfüllen kann. Doch weil leben Veränderung bedeutet, kann es passieren, dass sich einst innige Freundschaften und Partnerschaften in eine Richtung verändern, sodass vormals erfüllte Bedürfnisse eben nicht mehr innerhalb dieser Beziehungen erfüllt werden. Wenn wir an diesem Punkt an alten Ideen bezüglich dieser Beziehungen festhalten, wird Schwere und Starrheit Einzug halten. Enttäuschung, Einengung, Entfremdung, Selbstzweifel, Verzweiflung aber auch Wut sind mögliche Folgen. Beziehung bedeutet immer auch gewähren: sein lassen, entstehen lassen, sich verändern lassen und manchmal auch loslassenManchmal ist ein Abschied in Dankbarkeit der bessere Weg, als miteinander an etwas festzuhalten, dass nicht mehr ist. Die gemeinsame Vergangenheit kann einem niemand nehmen und die Erinnerung an echte Vertrautheit und Verbundenheit bleibt als positive Erinnerung bestehen.  Es entsteht Raum für Neues, wenn Loslassen von alten Vorstellungen und Erwartungen gelingt. Auch einem Sich-neu-Kennenlernen und anderen Arten der Beziehungsgestaltung werden dadurch die Tore geöffnet.

 

Ebenso können wir von Vorstellungen und Erwartungen – seien es solche, die wir uns selbst auferlegen oder vermeintliche, die wir als von anderen Personen an uns gestellt empfinden – Abschied nehmen, wenn diese nicht (mehr) zu uns passen. Was wir dafür brauchen? Wie so oft ein wenig Mut, Offenheit, Neugier, Selbstachtsamkeit und einen liebevollen sowie nachsichtigen Umgang mit uns selbst, aber auch anderen gegenüber.

 

Puh, der heutige Text wurde länger und „schwerer“ als erwartet…aber um mich an meine eigenen Worte zu halten: ich lass‘ meine eigentlichen Erwartungen an den heutigen Beitrag hiermit einfach los und stelle ihn genau so online 😉

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

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