Lebensräume umgestalten

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„Immer, wenn Du mit irgendetwas unzufrieden bist, überkommt Dich dieser Umgestaltungsdrang“, wurde mir vor einiger Zeit von meinem Mann rückgemeldet, als er sich am anderen Ende einer Vitrine als Schubhilfe wiederfand. Zurecht, denn aufkommende Unzufriedenheit verfeinert meine Wahrnehmung für aktuelle Unstimmigkeiten, im Außen wie im Innen. Und da ich nicht gerne unzufrieden bin, packe ich an. Manchmal auch meine Möbel und alles, was auf, neben oder unter diesen zu finden ist. Natürlich ist es nicht immer Unzufriedenheit und manchmal einfach pure Lust am Neu-Machen – dennoch hatte er mit seiner Aussage recht. Ich nutzte diese Energie gerne, anstatt sie verpuffen oder in fruchtlosen Grübeleien enden zu lassen.

 

Wohlbefinden im Außen und Innen

Viele Menschen gestalten regelmäßig Ihr Zuhause um: entlang der Jahreszeiten, aktueller Interieur-Trends, im Zuge neuer Bastelleidenschaften oder aufgrund notweniger familiärer, partnerschaftlicher, mitbewohner- und/oder arbeitstechnischer Umstände (z.B. Home-Office). Das Stimmigste aus den eigenen vier Wänden zu machen, wirkt sich positiv auf unser Wohlbefinden aus. Wer in Räumen lebt, mit denen sie*er sich identifizieren kann und die an die aktuellen Bedürfnisse angepasst sind, ist nachweislich gesünder, erfüllter und ausgeglichener als Personen, deren Zuhause nicht den eigenen Bedürfnissen (nicht notwendigerweise Wünschen!) entspricht. Wenn unser Zuhause, unser Zimmer oder unsere kleine persönliche Nische so aussieht und auf uns wirkt, wie es uns guttut und gefällt, erfüllt uns das mit Freude, Stolz und schenkt uns ein Gefühl des Geborgenseins.

 

Lebensräume stimmig gestalten

Wenn wir (Neu-)Gestaltungen im Zuhause uns nahestehender Personen erkennen oder uns bestimmte Einrichtungselemente in anderen Haushalten ins Auge springen, fragen wir nach, bewundern diese offenkundig, vergeben Komplimente, interessieren uns für die Hintergründe oder sind einfach nur froh, dass Geschmäcker verschieden sein dürfen.

Warum machen wir das dann nicht ebenso in Bezug auf die Lebensraumgestaltung im übertragenen Sinne? Warum machen wir uns selbst so viele Gedanken darüber, was andere wohl über uns denken oder sagen, wenn wir überlegen oder bereits im Begriff sind, einen Lebensraum umzugestalten, weil wir ihn nicht mehr als stimmig und erfüllend erleben?
Unser Zuhause ist UNSER Zuhause, es soll UNS gefallen, Freude bereiten und erfüllen – und wenn es das im aktuellen Zustand nicht mehr macht, gestalten wir es um. Gilt dieses Selbstverständnis nicht für ALLE unsere Lebensräume und deren Ausgestaltung? Etwas direkter: wenn wir bestimmte Rollenmodelle, Erwartungen an unser Tun und Sein als Frau*, sozial normative Lebens- und Beziehungsmuster nicht leben oder erfüllen wollen – warum tun wir uns oft so schwer, das zu leben und Lebensräume so zu gestalten, dass sie unseren Bedürfnissen entsprechen?

Natürlich sollen sich auch andere in unseren Räumen wohl fühlen. Je nach Grad der Verbundenheit und Art der Beziehung lassen wir sie auch in unsere privaten bis hin zu intimsten Räumlichkeiten. Doch wer in deren Gestaltung eingreifen darf, das bestimmen wir entlang unserer eigenen Bedürfnisse und Grenzen.

 

Schlussendlich geht es darum, uns eigenverantwortlich die Lebensräume zu schaffen, die uns guttun, mit Freude, Liebe, Lust und Wohlgefallen erfüllen. Im räumlichen ebenso wie im übertragenen Sinne.

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

Photo by JD Chow on Unsplash

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