„Platzangst…“

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Getriebenheit, Fremdbestimmtheit, körperliche und geistige Enge, Funktionieren und Müssen. Kommt Euch das bekannt vor? Dies sind nur ein paar Begriffe, die immer wieder fallen, wenn Gesprächspartner*innen von ihrem Eindruck erzählen, gerade kaum Raum zum Atmen zu haben.

Doch wie kommt es dazu? Ich habe für den heutigen Artikel Ursachen zusammengetragen – ohne Anspruch auf Vollständigkeit und detaillierte Ausführungen, allerdings mit der Gewissheit, dass Ihr, wenn Ihr diesen Artikel lest, für Euch selbst eine Idee bekommt, was bei Euch dazu führen kann, dass Euch der Raum zum Atmen fehlt.

 

Bedürfnisse

Raum zum Atmen heißt immer auch, sich selbst genug Raum zu geben. Das wiederum setzt voraus, sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu kennen. Wenn wir diese nicht kennen, können wir sie nicht erfüllen. Was heutzutage oft passiert, ist, dass wir wahllose Bedürfnisbefriedigung betreiben. Wir überfrachten/ befüllen uns – sei es mit Terminen, Produkten, ToDos auf einer Liste, Unternehmungen oder Essen – ohne dass diese uns wirklich erfüllen. Sich selbst Raum zu geben setzt also voraus, zu erkennen, was wir brauchen und was wir uns wirklich wünschen.

 

Autonomie

Ein Bedürfnis, das ganz besonders mit Raum zum Atmen in Verbindung gebracht wird, ist die Autonomie, also Selbstbestimmtheit, Selbstständigkeit und Willensfreiheit. Um dies zu erlangen, bedarf es drei wesentlicher Voraussetzungen im Laufe unserer Entwicklung: wir müssen lernen, Möglichkeiten und Chancen zu nutzen, eigene Wege zu gehen und uns trauen, dabei auch Risiken einzugehen. Gleichzeitig gilt es, Grenzen zu erkennen und anzuerkennen. Und wir brauchen Menschen, die uns als Inspirationsquellen dienen und uns ermutigen, den Weg in Richtung Autonomie zu gehen.

In manchen Lebensphasen, insbesondere in der Zeit der Elternschaft, werden unserer Autonomie Grenzen gesetzt. Hier bedarf es geeigneter Strategien, um dem Bedürfnis nach Autonomie nachzukommen.

 

Ansprüche

Mindestens ebenso erstrebenswert wie Autonomie ist in unserer westlichen Gesellschaft die Selbstverwirklichung. Doch was ist darunter zu verstehen? Oftmals verwechseln wir Selbstverwirklichung damit, allen Möglichkeiten nachzukommen, die sich uns bieten. Dadurch entsteht der Druck, Anforderungen gerecht zu werden, die wir an uns selbst oder andere an uns stellen. Und Druck bedeutet immer eine Einengung des Raumes. Ansprüche, Leistungsdenken, Muss und Soll: sobald wir uns selbst mit diesen Themen konfrontiert sehen, sei es durch uns selbst oder andere, ist es ratsam, sich zu überlegen, was wirklich bedürfniskonform ist und was uns nur unnötig unter Druck setzt.

 

By the way…

Ihr seid in jedem Augenblick, genau wie Ihr gerade sind und damit wirklich. Wenn Ihr Euch dessen wirklich bewusst werdet, erübrigt sich eine von der Gesellschaft gehypte Selbstverwirklichung, die mehr Frust als Lust macht.

 

Pausen – Erholung – Muße

Drei Begriffe, drei Dinge, an denen es uns fehlt, wenn wir den Raum zum Atmen vermissen. Pausen bedeuten einfach, zwischendurch einmal durchzuschnaufen, an etwas anderes zu denken, in die Natur zu blicken. Für ein paar Minuten. Erholung erfahren wir hingehen nicht beim Pause machen, sondern dabei, Dinge zu tun, die uns Spaß machen und erfüllen, sei es eine sportliche Aktivität, Lesen oder kreative Tätigkeiten. Muße bedeutet unseren Gedanken freien Lauf lassen, einfach nur sein – sinn- und zweckbefreite Momente, in denen wir uns selbst näherkommen. Wenn diese drei Dinge zu wenig Raum bekommen, fehlt Raum zum Atmen.

 

Entgrenzung

Ein Grund, der aktueller ist denn je, ist die Entgrenzung. Lebensraum und Arbeitsraum verschwimmen, ebenso die Grenzen zwischen öffentlich und privat in sozialen Medien. Alles hat einen Platz am Mobiltelefon oder Notebook. Grenzen verschwimmen und ebenso Räume. Da bleibt kaum Raum, man selbst zu sein, nur für sich allein.

 

Raum einnehmen

Ein wesentlicher Grund, warum wir nicht genug Raum zum Atmen haben, ist die Körperhaltung. Wenn wir die Schultern hochziehen, den Kopf einziehen, Bauch und Brustbereich zusammenziehen, dann haben wir wenig Raum zum Atmen. Und da unser Körper mit uns spricht, haben wir, wenn wir eine unpassende Haltung einnehmen und flach Atmen, ebenfalls den Eindruck, keinen Raum zum Atmen zu haben. Und damit spannt sich der Bogen zu meinem Artikel von letzter Woche.

 

Wenn Ihr Euch bei dem ein oder anderen Punkt wiedergefunden habt, lohnt es sich, genauer hinzusehen und sich zu überlegen, welche Schritte Ihr unternehmen könnt, um wieder Raum zum Atmen zu bekommen.

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

Photo by Diego San on Unsplash

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