Vorbild: haben, sein – oder doch nicht?

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Wenn es um Vorbilder geht, kommen wir an zwei Begriffe nicht vorbei: Selbstannahme und Selbstoptimierung. Denn häufig liegen sie unserem Streben zugrunde. In einem Artikel über diese vermeintlichen Gegensätze habe ich Selbstannahme als die wandelbare, sich ständig verändernde Basis für Selbstoptimierung beschrieben. Heute geht um Vorbilder, die uns bei Annahme und Optimierung unterstützen können.

In Bezug auf das Erreichen gesetzter Ziele und das Verwirklichen von Zukunftsvisionen – seien es nun solche, die eher mit Selbstannahme in Zusammenhang stehen oder solchen, die Optimierung in den Mittelpunkt stellen – sind Vorbilder eine hilfreiche Stütze, weil sie uns Handlungsräume aufzeigen. Studien haben ergeben, dass Vorbilder inspirierend und motivierend wirken, wenn sie

  • uns veranschaulichen, was unsere Zukunft für uns bereithalten kann und
  • uns an uns selbst erinnern, uns also ähnlich sind.

Das Geschlecht von Vorbildern spielt für Männer kaum eine Rolle. Frauen hingegen können sich besser mit weiblichen Vorbildern identifizieren und sehen von Frauen erbrachte Leistungen für sich selbst als eher erreichbar an. Dabei spielt es keine Rolle, ob wir dieser Identifikationsfigur tatsächlich begegnen/ begegnet sind oder ob es sich um eine fiktive Person handelt, die wir für real halten.

 

Vorbilder in Sozialen Netzwerken

Social Media Kanäle sind aktuell DIE Plattformen, auf denen wir Einblicke in berufliches und privates Sein und Tun anderer Menschen bekommen. Zu jedem Thema gibt es Vorreiter, Meinungsbildner und Informationsdrehscheiben. Egal ob wir aus beruflichen oder privaten Gründen aktiv oder passiv an sozialen Netzwerken teilhaben, wir kommen selten umhin, uns und unser Leben mit anderen zu vergleichen. Doch wie heißt es so treffend:

„Das Vergleichen ist das Ende des Glücks und der Anfang der Unzufriedenheit“ (Søren Kierkegaard).

Das Gefährliche – ich wähle diesen Begriff bewusst – an sozialen Netzwerken ist, dass wir den Eindruck haben, die Personen hinter dem Account durch Ihre Postings, Stories, Bildern und Videos tatsächlich kennen zu lernen. Wir empfinden Nähe zu Ihnen – umso mehr, je ähnlicher sie uns oder unserem Wunschbild scheinen. In Wirklichkeit sehen wir lediglich eine ausgewählte Selbstpräsentation in einem Sozialen Netzwerk. Von unserem Leben kennen wir ALLE Facetten und vergleichen dieses dann mit dem scheinbar echten Leben anderer. Ich denke, ich muss nicht ausführen, wie wir selbst bei derartigen Vergleichen meist abschneiden. Abgeleitet von der Theorie der Selbstwerterhaltung von Abraham Tesser haben wir drei Möglichkeiten, unseren Selbstwert aufrechtzuerhalten, wenn wir uns mit psychologisch – scheinbar – nahen Personen vergleichen. Wir können die Relevanz des Vergleichsfeldes, die psychologische Nähe zur Vergleichsperson oder unsere Leistung verändern. In Bezug auf die Leistung bekommen wir so großen Stress, da wir von der Vergleichsperson ja nur die eigene, optimal dargestellte Selbstpräsentation kennenlernen. Wenn Ihr merkt, dass Euch das Folgen eines Accounts mehr runterzieht, als es Euch inspiriert oder Freude macht, dann beendet diese Verbindung.

Ich habe zu diesem Thema zwei gute Artikel gelesen, die ich verlinke. Einmal zum Thema Selbstakzeptanz in Zeiten von Social Media und einen zweiten zu den negativen Auswirkungen von Facebook, Instagram und Co. – Prädikat: Lesenswert.

 

Back to reality…

Uns darf klar werden, dass Vorbilder keine Vergleichsmaßstäbe oder Konkurrenten sind. Vorbilder  motivieren, inspirieren, zeigen Möglichkeiten und Spielräume auf und machen Freude. Sie bereichern unsere individuelle Lebensgestaltung, ziehen uns nicht runter und sind nicht unerreichbar.

 

Nachfolgend ein paar Fragen, um sich eingehender mit dem Thema zu befassen:

  • Wenn Vorbilder wichtige Unterstützung bieten, warum scheinen immer weniger Menschen echte Vorbilder zu haben?
  • Verwechseln wir Vorbilder vielleicht mit Maßstäben bzw. Messlatten?
  • Kinder lernen durch Beobachtung und in der Arbeitswelt spielt das Lernen am Modell eine große Rolle. Gilt das nicht auch für andere Lebensbereiche?
  • Schließen sich ein Leben nach Vorbildern, das Gehen des eigenen Weges und Einzigartigkeit aus? Und was bedeutet Einzigartigkeit überhaupt?
  • Was bedeutet es, Vorbild zu sein, z.B. als Mutter oder Führungskraft? Wie beeinflusst das Bewusstsein über die eigene Rolle als Vorbild das Denken und Handeln?
  • Sind weibliche Vorbilder auch Vorbilder in Sachen Weiblichkeit?
  • Was braucht eine Person, um ein Vorbild in Bezug auf Weiblichkeit zu sein?
  • Was sagen Vorbilder über eigene Werte und Muster aus?
  • Warum streben wir nach Perfektion, wenn wir vermutlich niemanden kennen, der perfekt genug ist, um ein Vorbild in allen Belangen zu sein? Oder sind nicht gerade unvollkommene Menschen Vorbilder?
  • Sind Vorbilder nur dann Vorbilder, wenn sie überdauern, oder dürfen wir auswechseln, je nachdem, welchen Herausforderungen wir gerade gegenüberstehen?

 

Welche Fragen beschäftigen Euch in diesem Zusammenhang? Habt Ihr Vorbilder oder gehört Ihr auch zu den Menschen, die keine Vorbilder haben oder haben wollen? Ich freue mich sehr, wenn Ihr mir eine Nachricht schickt und mich so an Euren diesbezüglichen Gedanken, Ideen und Erfahrungen teilhaben lasst!

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

Photo by Sai De Silva on Unsplash

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