Wie komme ich zu „meiner Weiblichkeit“ – von Stereotypen und Rollenbildern II

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Heute gehen wir mal nicht (direkt) auf die Suche nach unserer Definition von Weiblichkeit, sondern machen einen Exkurs zu etwas, mit dem wir im Alltag immer wieder konfrontiert werden: Vorurteile, die von außen aufgrund unserer Frau-Seins oder einer unserer aktuellen Rollen an uns herangetragen werden. Vorurteile sind – im Gegensatz zu Stereotypen und Rollenbildern – generelle, zumeist negative Haltungen gegenüber etwas oder jemandem. Stereotype und Rollenbilder (in dem Sinne, wie ich diese Begriffe verwende) sind dagegen durchaus auch wertneutrale oder positive Verallgemeinerungen – sozusagen „Lesehilfen“ für unseren komplexen Alltag. Sie sind so etwas wie eine Brille, die uns hilft, neue Situationen, Personen, Geschehnisse erst mal nach Bekanntem zu filtern, damit wir einen Überblick bekommen und handlungsfähig bleiben. Vorurteile lenken den Blick hin zu negativen Zuschreibungen.

Was also tun, wenn wir mit Vorurteilen konfrontiert werden, die uns nicht passen, ja vielleicht sogar verletzen?

 

Umgang mit Vorurteilen von Außen

Eine Freundin hat mich neulich gefragt, wie sie mit Vorurteilen im Berufskontext umgehen soll. Ganz konkret ging es um die Aussage eines Kollegen: „Wenn du erst mal Mutter bist, hast du eh keinen Bock mehr zu arbeiten.“ Patentrezept gibt es keines, allerdings möchte ich Euch vier Möglichkeiten aufzeigen, wie Ihr solche Situationen gut bestehen könnt.

Fragt nach. Oft nehmt Ihr Eurem Gegenüber den meisten Wind aus den Segeln, wenn Ihr den gemeinsamen Blick von Euch auf das Gegenüber lenkt und es dazu bringt, die eigene Aussage zu reflektieren. Da könnt Ihr sachlich oder auch leicht provokativ rangehen – Hauptsache: nachfragen. „Woher hast Du denn diese Information? Wie lange hält diese angebliche Arbeitslustlosigkeit durchschnittlich an, nachdem Frauen ein Kind bekommen haben? Ist diese Demotivation allgemeiner Natur oder auf die Arbeit beschränkt? Wie machen das bloß die Frauen in Frankreich, die beinahe gleich nach der Entbindung wieder arbeiten müssen?“

Widersprecht. Wenn Ihr der Aussage etwas entgegensetzen wollt, dann tut es. Klar und deutlich. „Da kann/ will ich jetzt nicht zustimmen.“ Oder diplomatischer und unbestreitbar: „Zwei Personen, zwei Blickwinkel.“ Achtet lediglich darauf, dass Euer Statement nicht zu einer emotionalen Rechtfertigung wird – diese werden meist als Möglichkeit herangezogen, noch mehr Öl ins Feuer zu gießen oder das Vorurteil bestätigt zu sehen.

Nutzt Euren Humor. Manche Aussagen können ja fast nicht ernst gemeint sein – also versucht sie auch so zu behandeln. Lacht einfach darüber wie über einen schlechten Witz und schenkt der Aussage keine Bedeutung. Oder überzeichnet sie: „Stimmt, da hast Du wohl recht, ich kann ja dann ohnehin nicht mehr aus dem Haus, weil ich nur mehr mit Wäsche waschen, Staubsaugen,  Kind herumtragen und Windelwechseln beschäftigt bin.“ „Das erklärt, warum es kaum berufstätige Frauen zwischen dem Einsetzen der Fruchtbarkeit und der Menopause gibt.“ Oder lieber frecher? „Stell Dir nur vor, DU könntest schwanger werden. Kann Arbeitslust eigentlich auch kleiner als Null sein? ;-)“

Ignoriert es. Ihr könnt auch einfach so tun, als wäre die Aussage gar nicht gefallen und ein anderes Thema anschneiden.

Die Reaktion hängt schlussendlich sicher von Euch als Person, der Situation, dem Gegenüber und der (persönlichen) Wichtigkeit des Themas ab.

 

Vielleicht könnt Ihr das Wissen um Eure Betroffenheit in Bezug auf ein spezielles Vorurteil aber auch nutzen?

 

Wenn Stereotype und Rollenzuschreibungen (negative) Gefühle auslösen

Wenn Ihr auf eine Zuschreibung oder Erwartung (von Außen) besonders (heftig) reagiert, dann deshalb, weil das Gesagte oft so gar nicht zu Eurem Selbstbild passt. Insbesondere nicht zu Eurem Idealbild. Manchmal entsteht die Betroffenheit, weil Ihr Euch fragt, wie um Himmels Willen andere so einen Eindruck von Euch haben können. Oder aber Ihr spürt/wisst, dass die Zuschreibungen leider doch irgendwie auf Euch zutreffen – Ihr es aber nicht wahrhaben wollt. Diese beiden Möglichkeiten zu unterscheiden, ist mitunter richtig herausfordernd. Und letztere anzunehmen noch herausfordernder.

Ich nutze folgenden Merksatz:

„Was trifft, betrifft.“ 

Wenn wir es schaffen, bei Dingen, die uns treffen, genauer hinzusehen und mit dem Auslöser zu arbeiten, können wir Entwicklungssprünge machen, die ohne „Stich ins Herz“ nicht (so schnell) möglich gewesen wären. Leichte Stiche könnt Ihr hier mitunter auch mit ausreichend Selbstreflexion, Offenheit, Mut und einer Portion Humor selbst auflösen. Für gröbere Stiche ist es sicher ratsam, sich an eine*n professionelle*n Begleiter*in zu wenden.

 

Nächste Woche geht’s wieder zurück zu Stereotypen und Rollenbildern und wie wir diese nutzen können. Ihr könnt mir gerne noch welche zukommen lassen, damit ich diese in der geplanten Anleitung einfließen lassen kann. Bis dahin,

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

 

Photo by freestocks on Unsplash

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