„Zukunftsbild-Verwirklichungs-Verhinderern“ auf der Spur II

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Die ersten vier „Zukunftsbild-Verwirklichungs-Verhinderer“ – unreflektierte Rollenerwartungen, falsch eingeschätzte Wichtigkeit bestimmter Ziele, zu viel auf einmal und Energielosigkeit – waren vergangene Woche im Fokus. Heute geht’s weiter mit Stolperstein Nummer 5.

 

# 5 Aufschieberitis
Laut Studien haben rund 98% aller Menschen zumindest einmal ein Vorhaben auf die lange Bank geschoben. Wir befinden uns damit in guter Gesellschaft. Da das regelmäßige Aufschieben von Vorhaben allerdings schlecht für unser Wohlbefinden ist, bespreche ich Erklärungsmodelle zur Entstehung und vor allem Lösungsansätze mit der Prokrastinations-Expertin Mag.a Beran in einem Interview – ich bitte Euch an dieser Stelle noch um etwas Geduld.

 

# 6 Ausrederitis
Dieser Punkt ist eng verwandt mit dem Aufschieben, denn Ausreden helfen uns dabei, Gründe für dieses Verhalten zu finden. Kurz und schmerzlos: „Wer will, findet Wege, wer nicht will, findet Gründe.“ Es ist sehr wahrscheinlich, dass Ihr den Ursprung Eurer Ausreden in einem der anderen Verhinderer-Punkte findet. In jedem Fall könnt Ihr Rechtfertigungen, Gründe und Ausreden als Hinweise für eine genauere Betrachtung. Und schon sind sie Verbündete im Aufdecken von bilden Flecken und „Zukunftsbild-Verwirklichungs-Vermeidern“.

 

Aufschieberitis und Ausreden enttarnen
Ich habe Euch eine Liste von häufigen Formulierungen zusammengestellt, die Anlass zum Aufhorchen geben. In den meisten Fällen verstecken wir uns hinter Ausreden, vor uns selbst oder anderen. Sie dienen dazu, unser Gesicht zu wahren und zu gefallen, hindern uns aber daran, insbesondere wenn wir uns damit selbst täuschen – das zu denken, zu tun und zu sein, was uns guttut und was wir vorhaben.

Erst wenn…, dann…

Die anderen…

Ab morgen…

Ich habe einfach keine Zeit…

Ich muss nur noch …

Ich kann nicht (anders)…

Eigentlich…

Ich bin nun einmal so.

Hätt‘ ich, wär‘ ich, würd‘ ich… 

Ich würde gerne, aber ich muss nun einmal (Pflichterfüllung)…

MAN sollte…

Vielleicht sollte ich…

Ich werde versuchen…etwas weniger/mehr/besser/…

 

# 7 Anstrengungsvermeidung
Wir sind es gewohnt, dass wir vieles zu jeder Tages- und Nachtzeit bekommen. Informationen auf Knopfdruck und Waren meist ohne wesentliche Wartezeit nach unkompliziertem Onlineshopping, ohne uns in irgendeiner Weise anstrengen zu müssen. Wir erreichen unsere Kolleg*innen, Geschäftspartner*innen und gewünschten Dienstleister*innen unkompliziert und rund um die Uhr, und sei es nur per Mail. Obwohl sich Geduld und Ausdauer immer mehr zu Fremdwörtern entwickeln, brauchen wir gerade sie, um unsere Ziele zu erreichen. Eine wichtige Komponente neben der Ausdauer ist auch die Konsequenz. Regelmäßigkeit ist notwendig, um Neues in unser Leben zu holen und es ebenfalls zur Gewohnheit werden zu lassen. Viele zucken jedoch alleine beim Erwähnen dieses Begriffs zusammen. Lange Zeit war dieses Wort ein absolutes Unwort für mich, denn es passte nicht in meine Idee des sinnlichen, genussvollen Erlebens. Konsequenz klingt hart, stur und freudlos – alles Begriffe, die meiner Natur widersprechen. Wobei mein Mann vermutlich in Bezug auf den Begriff „stur“ eine andere Meinung vertritt 😉 Wie auch immer: insbesondere im Berufsleben wird diese Tugend verlangt und ich habe sie selber erfolgreich eingesetzt. Es hat mich allerdings immer eine Extraportion Energie gekostet. Deshalb habe ich begonnen, Begriffen, die einen Widerstand in mir auslösen, mit anderen Augen zu begegnen. Ich sehe sie als Unterstützer auf meinem Weg und verleihe Ihnen ein „Weichmacher-Attribut“, wie beispielsweise „liebevoll“. Die nunmehr „liebevolle Konsequenz“ und ich funktionieren viel reibungsloser.
Kurzum: Geduld, Ausdauer und Konsequenz bedeuten immer den Einsatz von Energie und somit Anstrengung. Wenn wir es schaffen, diesen Begriffen, bei denen sich unsere Nackenhaare aufstellen – mit einem Augenzwinkern von einem anderen Blickwinkel aus zu begegnen, beschreiten wir unseren Weg zum Zukunftsbild deutlich kräfteschonender.

 

# 8 „Alles oder nichts“, „Ganz oder gar nicht“
Absolute „Gebote“ führen leicht dazu, uns die Freude am Ausprobieren neuer Verhaltensweisen zu verderben oder hindern uns daran an die Umsetzung eines Vorhabens zu gehen. „Entweder ich mache ab heute jeden Tag eine Stunde ein Power-Workout, oder ich lasse es gleich bleiben.“ „Es bringt ja nichts, mich in Sitzungen einfach nur zu Wort zu melden. Ich muss dann gleich etwas Hochtrabendes sagen, das alle von den Socken haut, oder ich kann es gleich sein lassen.“  Wer zu solchen Gedanken neigt, dem empfehle ich kleine Selbstexperimente einzusetzen. „Ich teste eine Woche lang, wie ich mich fühle, wenn ich jeden Tag so viel Bewegung wie möglich in den Alltag integriere.“ „Ich teste ab heute einen Monat lang, wie es sich anfühlt und welche Auswirkungen es hat, wenn ich mich in jeder Sitzung aktiv einbringe.“  Lasst Eurer Kreativität freien Lauf und erkundet mithilfe von Selbstexperimenten, was Euch gut tut, was wirklich in den Alltag passt und wie leicht es ist, sich selbst ein Schnippchen zu schlagen.

 

# 9 Ablenkungen, Verzettelungen und fehlender Fokus
Diesen Punkt handle ich heute ganz kurz mit einem Hinweis auf meinen Artikel übers Entschleunigen und Reduzieren ab. Gemeint sind neben der Ablenkung durch zu viele Reize auch die täglichen Zeit-, Fokus- und Energieräuber Smartphone, Social Media, YouTube, Perfektionismus und Selbstzweifel. Eine wilde Mischung, ich weiß. Es handelt sich hierbei um all jene Aktivitäten, bei denen uns im Nachhinein ein ungutes Gefühl und vielleicht auch schlechtes Gewissen plagt, weil wir unsere Zeit nicht sinnvoller ge- und erlebt haben.

 

# 10 Wir haben hinderliche Überzeugungen
Wir wissen WAS und WIE, aber stecken immer noch fest? Möglicherweise hindern uns Glaubenssätze, Mindsets und Überzeugungen, unsere Visionen zu verwirklichen. In vielen Fällen beginnen hinderlichen Überzeugungen mit „Ich bin nun einmal…“, „Es gehört sich nun einmal (nicht), dass …“, „ich sollte, müsste, …“ . Manchmal tauchen Sie in Form von Sprüchen auf, die wir immer wieder gehört haben, wie z.B. „Wer schön sein will, muss leiden.“ Solche Überzeugungen sind dann hinderlich, wenn Sie zu einem Vermeidungsverhalten oder Gefühl der Minderwertigkeit führen. Immer, wenn Euch solche Sätze durch den Kopf schwirren oder Ihr Euch diese sagen hört, haltet kurz inne und merkt oder notiert sie Euch. Greift sie in einer ruhigen Minute wieder auf und fragt Euch, woher diese Überzeugungen stammen oder von wem Ihr sie übernommen habt. Fragt Euch kritisch, ob sie tatsächlich der Wahrheit entsprechen. Überlegt im Anschluss was passieren würde, wenn Ihr diese Überzeugungen nicht mehr habt. Dabei hilft das Arbeiten mit Expert*Innen.

 

Erkennt Ihr Euch in dem einen oder anderen Punkt wieder? Wenn ja, macht Ihr damit schon einen großen Schritt in Richtung Zukunftsbild-Verwirklichung, denn das Aufdecken von Stolpersteinen zeigt Euch auf, wo Ihr ansetzen könnt, um diese Stolpersteine künftig schwungvoll zu überspringen.

Ich wünsche Euch viel Erfolg beim Aufdecken und Überspringen Eurer „Zukunftsbild-Verwirklichungs-Verhinderer“. Lasst mich gerne wissen, wie gut es Euch gelingt und wobei Ihr möglicherweise Unterstützung braucht.

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

Photo by Nong Vang on Unsplash

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