Zukunftsräume gestalten statt zerdenken

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Könnt Ihr Euch noch an das Beispiel einer meiner Gesprächspartner*innen erinnern, die sich von Ihren kollidierenden Vorstellungen einer guten Mutter, verlässlichen Mitarbeiterin, motivierten künftigen Trainerin, unterstützenden Partnerin und ausgeglichenen Frau beinahe erschlagen fühlte? Sie verbrachte viele Wochen Stunde um Stunde, Tag um Tag damit, alle möglichen Konstellationen durchzuspielen, das Für und Wider abzuwägen, sich in die Zukunft einzufühlen und alle Hindernisse und Stolpersteine zig-mal umzudrehen. Ihre Vorstellung davon, was nun wirklich stimmig und sinnvoll für sie ist, bekam keine Konturen. Mit jedem Nachdenk-Zyklus wurde das Bild dessen, was sie machen will, unklarer. Sie wurde unzufriedener, unausgeglichener und unglücklicher. So geht es vielen Frauen*. Alles wird zu viel. Der persönliche Raum scheint immer kleiner und enger zu werden. Der Raum für Weiblichkeit ist dabei einer der ersten, dessen Tür versiegelt wird. Aber dazu ein andermal mehr, heute geht es um unseren Zukunfts(t)raum.

 

Gedankenstopp

Ich sage nicht, dass wir uns keine Gedanken um die Zukunft machen sollen. Allerdings sind unserem Vorstellungsvermögen, insbesondere bei sehr komplexen Szenarien, Grenzen gesetzt, sodass ein Durchdenken und Antizipieren uns nicht weiter-, sondern uns gefühlt immer mehr vom Weg abbringt. Dies tritt insbesondere dann ein, wenn wir mit Neuem konfrontiert werden, das wir nicht einschätzen können – sei es in Bezug auf zeitliche, emotionale, kognitive, bio-psycho-soziale oder andere Ressourcen. In solchen Fällen helfen folgende Ansätze:

  • Akzeptieren, dass es „die perfekte Option“ nicht gibt
  • Andere miteinbeziehen, um der „Denkspirale“ zu entkommen und neue Möglichkeitsräume aufgezeigt zu bekommen
  • negative oder unbefriedigende Denkkreisläufe stoppen und mit einer Einstellung des „spielerischen Ausprobierens“ Entscheidungen treffen
  • einen Schritt zurück an die Oberfläche wagen und Dinge wie von außen zu betrachten.

 

Scheitern ist keine Option

…und zwar dann, wenn ein Nicht-Erreichen von Zielen oder ein Nicht-Umsetzen konkreter Vorstellungen nicht als Scheitern angesehen wird, sondern als Lernen und Entwicklung. Eigentlich ganz einfach, oder?

Es macht Sinn, sich nicht nur eine produktive Fehlerkultur sondern vielmehr eine spielerische Lernkultur anzueignen, in der das Ausprobieren mehr Gewicht hat als das Finden und Gehen eines „perfekten Weges“. Denn Perfektion gibt es nicht. Zielloses Handeln ohne dabei vor Augen zu haben, welche Wünsche und vor allem zugrundeliegenden Bedürfnisse ihr mit Eurem Tun erfüllen wollt, ist damit nicht gemeint. Es geht vielmehr um den Mut, Dinge auch mal auf sich zukommen zu lassen oder Entscheidungen zu treffen, die sich womöglich als Reinfall herausstellen. Wenn ihr beim Ausprobieren feststellt, dass etwas nicht wie geplant klappt oder sich etwas im Moment nicht stimmig anfühlt, bedeutet das nicht, dass es nie klappt oder nie stimmig wird. Aber es bedeutet in jedem Fall, dass ihr um eine Erfahrung reicher seid.

 

Zukunftsraum schaffen

Wir können uns unsere Zukunft wie einen Raum vorstellen, in den wir Vorhandenes mitnehmen, Neues einbauen und Altes hinter uns lassen. Wer schon einmal einen Raum (neu) eingerichtet hat, weiß, dass das ein Unterfangen ist, das mit Herumschieben, Wirkenlassen, neu arrangieren, von unterschiedlichen Blickwinkeln betrachten und dem Zurechtrücken von kleineren oder größeren Bestandteilen verbunden ist. Sogar dann, wenn wir den Raum im Kopf bereits passend eingerichtet haben. Manchmal wirken Konstellationen umgesetzt weniger stimmig als gedacht. Warum also nicht unsere Zukunft als einen solchen Raum betrachten und uns genügend Zeit geben, um sie/ihn bestmöglich, aber ohne Anspruch auf Perfektion zu planen und es dann im Erleben, im Hier und Jetzt, nochmal wirken zu lassen und ohne ein Gefühl des Versagens so manches doch noch zu ändern?

 

Viel Spaß beim (Um)Gestalten!

 

Alles Liebe,

Eure

Esther

 

Photo by Guilherme Stecanella on Unsplash

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